„Wir müssen weltbekannter werden“
Quelle Münchner Merkur
Derzeit arbeiten Vertreter des Freistaats und der Stadt München an der städtebaulichen Vision für die Museen und wissenschaftlichen Einrichtungen zwischen Türkenstraße und Königsplatz sowie Theresien- und Gabelsbergerstraße. Die Leitung hat Professorin Sophie Wolfrum vom Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung an der TU inne. „Erlebbar und durchwanderbar“ solle der halbe Quadratkilometer Kultur werden, sagte Wolfrum.
Von Bedeutung für dieses Vorhaben wird sein, wie die Firma Siemens ihr neues Hauptquartier gestaltet, das sie am Wittelsbacherplatz, also am Südostende des Kunstareals, plant (wir berichteten). Am 29. und 30. Juni kürt ein Preisgericht den Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs. „Die Firma Siemens ist sehr an der Durchlässigkeit ihres Grundstücks für die Öffentlichkeit interessiert“, betonte Wolfrum. „Das heißt aber nicht, dass das Areal von Siemens abhängt.“ Es gebe schließlich viele Zugänge. „Das ist der Vorteil, aber auch die Schwierigkeit - diese Zugänge bewusster zu machen.“
Vor allem der Verkehr soll an die Besucher des Kunstareals angepasst werden. Wolfrum war sich mit Heubisch einig, dass der „Autobahn-Charakter“ von Theresien- und Gabelsbergerstraße ein Ende haben müsse. Beide Straßen werden wieder in beiden Richtungen befahrbar sein. Der Plan, die Barer Straße autofrei zu machen, ist zwar vom Tisch. Doch sollen generell Trottoirs verbreitert werden, Radfahrer mehr Platz finden und die Geschwindigkeit der Autos gedrosselt werden. „Die ein oder andere Fläche werden sich die Verkehrsteilnehmer teilen“, kündigte Wolfrum an.
Heubisch zeigte sich außerdem optimistisch, den neuen klassischen Konzertsaal für München mithilfe großzügiger Spenden verwirklichen zu können - für die Elbphilharmonie in Hamburg seien schließlich auch 64 Millionen Euro gespendet worden. Heubisch ließ durchblicken, dass er den Standort Kunstareal für den Saal bevorzugen würde. Dass bei dem letzten Treffen der Arbeitsgruppe Konzertsaal auch dessen erklärter Gegner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) anwesend war, sei ein Zeichen, „dass die Dinge in Bewegung sind“.
Das sind sie offenbar auch beim Erweiterungsbau der Pinakothek der Moderne, mit dessen Erbauer Stephan Braunfels der Freistaat seit fast zehn Jahren streitet. „Ich habe das Gefühl, dass sich die Fronten aufklären“, sagte Heubisch und betonte, er sehe „den Freistaat schon in der Pflicht, den zweiten Bauabschnitt mal zu machen“.
Ob sich Konzertsaal und Erweiterungsbau bei der Finanzierung in die Quere kommen, sei nicht gewiss, sagte Heubisch, schließlich sprächen die beiden Projekte ja unterschiedliche Spender an. Sophie Wolfrum zufolge gibt es für die Kunststadt München freilich noch dringlichere, wenn auch unspektakulärere Aufgaben: „Ein neues Museumsdepot würde 300 Millionen Euro kosten - wäre aber vielleicht viel wichtiger als ein neuer Konzertsaal.“
Johannes Löhr

